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Für Samstag war der Besuch des Radio Lumière Studios in Jérémie, das mit Unterstützung von AEHaiti ausgebaut wurde,geplant. Hierzu wollten wir Motorräder leihen, denn die Fahrt von Les Cayes nach Jérémie führt übers Gebirge. Die Straße ist zwar offiziell als Bundesstraße ausgezeichnet, sie befindet sich aber seit Jahren im Bau. Die Bauarbeiten machen Fortschritte, aber ein guter Teil der ca 100km langen Strecke gleicht immer noch eher einer Motocross-Strecke als einer nach unserem Verständnis üblichen Straße. Da es in Haiti kaum einen Motorrad-Verleih gibt, fragten wir bei verschiedenen Freunden und Bekannten nach. Bis wir für vier Personen drei Motorräder und passende Ausrüstung gefunden hatten, mussten wir diverse Stationen aufsuchen, denn fast niemand hier verfügt über komplettes Equipment.

Zunächst noch ein Nachtrag zu Montag, 12.Januar, dem 5.Jahrestag des Erdbebens: Von den erwarteten Unruhen war in Les Cayes und Umgebung nichts zu merken. Zum Gedenken an die Katastrophe hatten die Schulkinder frei und auch manche Läden blieben geschlossen, in der Stadt war es daher eher ruhiger als sonst.

In der Nacht zum Dienstag regnete es. Dadurch stellte sich das Problem, dass das letzte steile Stück zur Spitze des Morne Brieux für unseren Lastwagen nicht befahrbar war. So wurde ein Pickup mit den noch übrigen Eisenstangen, die fertig gebogen im Hof lagen, beladen und der letzte unbefestigte Anstieg mussten die Eisen zu Fuß transportiert werden. Es sah schon etwas halsbrecherisch aus, wie die gebogenen Eisen so vor der Windschutzscheibe baumelten und einer deutschen Polizeikontrolle hätte der Transport sicherlich nicht Stand gehalten. Aber: Alles ging gut und so konnten alle Eisen in der Baugrube verlegt und die Bewährung nahezu fertiggestellt werden. Trotzdem war die Stimmung als der Bautrupp am Abend nach Hause kam, nicht besonders gut: Im Laufe des Tages hatte sich herausgestellt, dass einige der Eisenstangen abhanden gekommen waren, obwohl das Material nachts bewacht wurde.

Auch außerhalb der Baustelle gibt es vor allem für die Teilnehmer, die Haiti zum ersten Mal besuchen, jede Menge Eindrücke zu verarbeiten.Das Abenteuer beginnt beim Verlassen unseres Gästehauses: Zunächst schaukelt man die mit grobem Kies geschotterte Zufahrtsstraße vor zur Hauptstraße. Da kann es schon mal passieren, dass der Weg durch einen Kieshaufen versperrt ist,weil die Straße ausgebessert wird. Irgendwie kommt man trotzdem vorbei. Auf der Hauptstraße zur Stadt herrscht immer reger Verkehr. Vor allem die unzähligen Mopeds sowie bunte Taptaps (Taxis) prägen das Straßenbild. Die Mopeds sind selten mit einzelnen Personen besetzt, meist findet eine komplette Familie Platz. Ist man abends unterwegs (um ca 18Uhr wird es dunkel), gewinnt man den Eindruck, dass Fahrzeugbeleuchtung in Deutschland völlig überbewertet wird:

Am Donnerstag Morgen mussten wir zunächst nach Werkzeug suchen, um den 13 und 16mm Baustahl zu schneiden, denn der Winkelschleifer den wir zuerst leihen konnten hatte eine verbrauchte Scheibe dabei und der große Bolzenschneider war zu abgenutzt um damit Eisen zu schneiden. Nach weiterer Suche wurden wir nochmals fündig und es wurde uns alles Nötige geliehen, sogar besseres Werkzeug als je erwartet. Auch den Betonrüttler, den wir hofften zu finden für das dicke Mastfundament konnten uns schon zur Verfügung gestellt werden, auch wenn wir ihn erst nächste Woche benötigen.

In der Zwischenzeit ist schon der erste Arbeitstag hier in Haiti abgeschlossen, doch wir möchten zuerst die 2-tägige Reise bis hierher zusammenfassen.

Die Reise nach Haiti musste auf zwei Tage aufgeteilt werden, zunächst per TGV von Stuttgart nach Paris und am folgenden Tag per Flugzeug direkt nach Haiti. In Haiti muss sehr oft improvisiert werden, doch dieses Mal war auch schon in Deutschland Improvisation notwendig, um alle Teilnehmer rechtzeitig zum gemeinsamen Startpunkt in Stuttgart zu bekommen: